Lara lebt heute mit Malou zusammen, einer Malteser-Mischlingshündin aus dem Tierheim. Doch bis Februar dieses Jahres war Bailey an ihrer Seite – ein winziger Chihuahua mit nur 1,6 Kilogramm und einer großen Persönlichkeit. Zwölfeinhalb Jahre lang gingen sie gemeinsam durchs Leben. Drei Worte beschreiben Bailey am besten: loyal, ruhig und deeskalierend.
Ein schwieriger Start ins Leben.
Bailey kam als sechs Monate alter Welpe zu Lara. Damals war Lara 22 Jahre alt und für längere Zeit krankgeschrieben. „Ich lebte bei meinen Großeltern, das war meine Flucht und Auszeit.“
Ihre Großeltern unterstützten den Hundewunsch, denn sie waren mit Hofhunden aufgewachsen. „Mein Opa sagte damals: Die Verantwortung liegt bei dir, es ist dein Hund, aber wir unterstützen dich.“
Auf einem Flohmarkt in Ravensburg traf Lara einen Mann, der sich als Züchter ausgab. Er lud sie direkt zu sich nach Hause ein – doch dort war die Situation alles andere als vertrauenswürdig. „Mit dem Wissen von heute würde ich sagen: Das war kein seriöser Züchter, sondern ein Vermehrer. Schon damals hatte ich ein schlechtes Gefühl, aber ich habe es verdrängt, weil ich unbedingt einen Hund wollte.“
Bailey war in keinem guten Zustand: sehr zart gebaut, mit verklebten Augen und wenig vital. Als die kleine Hündin aus einem Katzenkistchen-Körbchen gezogen wurde, konnte sie nicht einmal alleine herausklettern. „Mein erster Gedanke war: oh. Richtig süß fand ich sie nicht, aber es war dieses Mitleid und auch das Bedürfnis, ihr ein besseres Leben zu geben. Rückblickend weiß ich, dass ich damals naiv gehandelt habe – und genau deshalb möchte ich ehrlich darüber sprechen. Es ist wichtig, dass Menschen verstehen, wie entscheidend die Herkunft eines Hundes ist.„
Trotzdem fühlte es sich für Lara richtig an, Bailey mitzunehmen. „Sie hieß schon Bailey, und ich habe ihren Namen behalten – das war stimmig für mich. Und auch wenn ihre Übernahme unüberlegt war, war es der Beginn einer ganz besonderen Geschichte.„
Als Lara mit Bailey nach Hause kam, saß die kleine Hündin zitternd in ihrer Transportbox. „Meine Oma lachte nur und sagte: Oh je, da hast was ins Haus gebracht. Mein Opa lachte und sagte: Larissa, das kriegen wir schon hin.“
Steckbrief
👉 Lara ist fast 13 Jahre gemeinsam mit Bailey durchs Leben gegangen
👉 Bailey war ein winziger Chihuahua mit großer Persönlichkeit und ist im Februar 2025 über die Regenbogenbrücke gegangen 🌈
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Besondere Rituale im Alltag.
Bailey war kein gewöhnlicher Hund. „Bailey war kein Spazierhund. Sie lief nie an der Leine. Mit ihren 1,6 kg war sie ein Ausnahmefall.“ Stattdessen trug Lara sie oft die ersten Straßen bis zum Feld, wo Bailey dann frei laufen durfte. „Sie mochte es, wenn wir offroad gingen, so wandermäßig ohne Leine. Sie rannte vor und zurück, aber irgendwann war gut, weil sie so klein war.“
Morgens, wenn Lara gerade aufgewacht war und Bailey ansprach, hörte sie schon das kleine Getrappel. Dann durfte Bailey mit ins Bett hoch und sie kuschelten miteinander. „Das war unser Ritual. Ich habe immer gesagt: Machen wir Wusel Wusel? Dann fing sie sofort an, mit ihrem Popo zu wackeln, so eine kleine Spieleraufforderung.„
Ein besonderes Ritual war auch ein anderes Spiel. „Bailey spielte mit keinem anderen Hund. Sie nahm kein Spielzeug, nichts. Aber sie liebte es, mit mir sozial zu interagieren und zu spielen.“ Lara ging auf alle Viere herunter und klopfte mit den Händen auf den Boden. „Sie kam hergeschossen zurück. Sie drehte sich in der Luft einmal um sich komplett. Ich sagte immer zu ihr: Machst du ein Chai Berger? Wir nannten es den doppelten Chai Berger, weil sie sich manchmal zweimal hintereinander aus dem Stand drehte.“
Die letzten Jahre - bewusste Momente.
Als Bailey älter wurde, veränderte sich ihr Alltag. Die letzten zwei Jahre waren geprägt von Ruhe und bewussten Momenten. „Wenn ich Richtung Sofa ging, spitzte Bailey schon die Ohren. Sie war nicht aufdringlich, aber sie beobachtete mich. Ich sagte einfach: Geh mal aufs Sofa. Dann kam sie ruhig, dockte bei mir an.“
Lara passte sich bewusst an: „Die letzten zwei Jahre legte ich mein Handy zur Seite und ging in den Flugmodus, wenn ich mit ihr diese Sofa-Zeit hatte. Ich wollte nicht abgelenkt sein, sondern voll bei ihr.„
Diese bewussten Momente wurden zu etwas Besonderem. „Ich beobachtete meinen Hund beim Atmen. Dadurch wurde ich selber ruhig. Bewusst angepasst habe ich mein Bewusstsein für das hier und jetzt und das Leben.“
Herausforderungen des Älterwerdens.
Mit den Jahren kamen gesundheitliche Veränderungen. Bailey konnte nachts ihr Pipi nicht mehr gut halten und orientierte sich schlechter. „Dann kam dieser Schlüsselmoment: Ich hörte nachts das Trapsen. Ich machte das Licht an und sie stand unter meiner Kommode und fand einfach nicht mehr raus.“
Lara merkte in diesem Moment deutlich, dass Bailey zunehmend Schwierigkeiten hatte, sich zu orientieren – vielleicht besonders im Dunkeln, vielleicht auch allgemein. „Ich habe sie angesprochen, ich habe mit den Fingern auf den Boden geklopft, aber sie stand einfach nur da und wusste nicht, was los war. An ihrem Ausdruck und an ihrer Körperhaltung war klar: Sie ist gerade völlig verloren.“
Lara hatte eine richtig gute Idee: „Ab da hatte ich einen großen Kinderlaufstall in meinem Schlafzimmer. Ich legte ihn mit Pipiunterlagen und Decken aus und hatte sie nachts einfach drin.“ Es war eine liebevolle Lösung für beide – Bailey hatte ihre Sicherheit und Lara konnte ruhig schlafen.
Ein Auge wurde milchig, die Nierenwerte schwankten, und Bailey entwickelte eine beginnende Demenz. „Altersbedingt merkte ich, dass sie öfters mal, wenn sie lief, in einer Seelenruhe gegen meinen Pfosten donkte. Ganz leicht und erschrocken: Oh, da ist ja was im Weg.“ Mit dem Alter kamen weitere Krankheiten und Herausforderungen hinzu, die ihren Alltag veränderten.
Aus ihren Erfahrungen gibt Lara konkrete Ratschläge: „Spätestens ab 8 Jahren regelmäßig einen Bauchultraschall machen lassen. Bei Bailey ließ ich alle drei Monate Blut abnehmen, die letzten zwei Jahre.“ Sie führte auch Tagebuch über Baileys Tage, um Muster zu erkennen und die Lebensqualität zu bewerten.
Verantwortung und schwere Entscheidungen.
Mit Baileys Alter kam mehr Verantwortung. „Diese Verantwortung kommt immer mehr zu dir, je älter die Hunde werden. Du kannst das nicht mehr an andere Menschen abgeben.“ Lara sprach offen mit den wenigen Menschen, denen sie Bailey anvertraute, über mögliche Notfälle und sogar über die schwere Entscheidung des Einschläferns.
Mut zu besonderen Momenten.
Trotz Baileys Alter wagte Lara besondere Unternehmungen. „Ich war in Absprache mit dem Tierarzt mutig und bin mit Bailey noch einmal geflogen, damit wir zusammen ans Meer können.“ Nach gründlichen Untersuchungen gab der Tierarzt sein Okay. „Manchmal würde ich Menschen raten, mutig zu sein. Natürlich gibt es immer gewisse Faktoren, aber wenn die dafür sprechen, dann macht’s und erlebt etwas mit euren Hunden. Nehmt sie mit! Ich bin für jede Minute dankbar.“
Der Abschied kam nach einer Augen-OP, bei der Bailey neurologische Schäden erlitt. „Manchmal habe ich Angst, dass sie mir sagen würde: Du hast mir ein paar Tage genommen, weil du dich für diese OP entschieden hast.“ Doch Lara weiß auch: Die Tierärzte sagten, es war die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt.
Was Bailey wohl sagen würde.
Auf die Frage, was Bailey über ihr Leben erzählt hätte, wird Lara nachdenklich: „Was ich in diesen fast 13 Jahren probiert habe, täglich zu leben: Bailey würde sagen, wir waren so unperfekt perfekt. Wir waren einfach mitten im Leben und oft im hier und jetzt. Wir haben uns immer wieder gefunden.“
Bailey war trotz ihrer winzigen Größe ein tapferes Wesen mit einer wundervollen Persönlichkeit. „Ich bewunderte sie manchmal dafür, wie sie durch diese Welt trabselte aus dieser Perspektive. Das hat Bailey mir gelernt: Diese Einstellung und die Sicht auf die Dinge macht viel mit uns.“
Auch wenn das Leben mit einem Seniorhund Herausforderungen bringt, machen die bewussten Momente und die besondere Verbindung alles wert.

